{
"name": "Myrcen",
"synonyme": "Auch: β-Myrcen · englisch: Myrcene",
"intro": "Myrcen ist in den meisten Hopfensorten der mengenmäßig dominierende Anteil des ätherischen Öls (40–70 %). Es ist verantwortlich für die typischen 'rohen Hopfen'-Aromen — frisch, grasig, floral und leicht harzig. Als sehr flüchtige Verbindung verdampft Myrcen beim Kochen schnell, entfaltet aber im Dry Hopping seine volle sensorische Wirkung.",
"kennzahlen": [
{
"label": "Edelhopfen (Saaz, Tettnanger)",
"wert": "20 – 45 %",
"pct": 33
},
{
"label": "Klassische US-Sorten (Cascade)",
"wert": "40 – 60 %",
"pct": 52
},
{
"label": "Moderne IPA-Sorten (Citra, Simcoe)",
"wert": "50 – 70 %",
"pct": 65
},
{
"label": "Hochmyrcen-Sorten (Amarillo)",
"wert": "60 – 75 %",
"pct": 75,
"cls": "warn"
}
],
"kennzahlen_note": "Angabe als Prozent des Gesamtöls. Absolute Myrcen-Menge = Gesamtöl × Myrcen-Anteil.",
"definition": [
"Myrcen (β-Myrcen) ist ein azyklisches Monoterpen mit der chemischen Formel C₁₀H₁₆. Es ist eine farblose, ölige Flüssigkeit mit charakteristisch frisch-harzigem, leicht metallischem Geruch.",
"In Hopfen ist Myrcen meist das mengenmäßig dominierende Öl. Es trägt maßgeblich zum Gesamtölgehalt bei und bestimmt den 'rohen Hopfen'-Charakter besonders im Dry Hop."
],
"entstehung": [
"Myrcen wird in den Lupulin-Drüsen über den Mevalonatweg aus Geranylpyrophosphat synthetisiert. Es akkumuliert besonders in den Reifephasen der Hopfendolde.",
"Sein Anteil am Gesamtöl variiert sortenspezifisch stark. Hochmyrcen-Sorten wie Amarillo wurden zum Teil gezielt auf dieses Profil selektiert."
],
"warnhinweis": "Myrcen ist extrem flüchtig (Siedepunkt 167 °C) und verdampft beim Kochen der Würze fast vollständig. Bei Kochgaben trägt es praktisch nichts zum Bieraroma bei. Für myrcenbetontes Hopfenaroma ist ausschließlich Dry Hopping bei kühlen Temperaturen (unter 20 °C) geeignet.",
"brauen": [
{
"h": "Dry Hop — der einzige sinnvolle Einsatzort"
},
"Myrcen entfaltet sein Aromapotenzial ausschließlich bei der Kalthopfung. Im Dry Hop bei 15–20 °C löst sich Myrcen langsam im Bier und gibt frische, grasig-florale Noten ab. Zu hohe Dry-Hop-Temperaturen beschleunigen die Extraktion, fördern aber auch unerwünschte Oxidation.",
{
"h": "Sensorische Wahrnehmung"
},
"Myrcen wird von Biertrinkern je nach Konzentration sehr unterschiedlich wahrgenommen: In moderaten Mengen als angenehm frisch und hopfig, in zu hohen Mengen als grasig, metallisch oder 'roh'. Der Schwellenwert liegt bei etwa 15 µg/l."
],
"messung": [
"Myrcen wird durch GC/MS (Gaschromatographie-Massenspektrometrie) quantifiziert und als Prozent des Gesamtöls angegeben.",
"Auf dem CoA steht der Wert meist als 'Myrcene % of total oil'. Für die absolute Menge: Gesamtöl (ml/100g) × Myrcen-Anteil (%) ÷ 100."
],
"zusammenhaenge": [
"Gesamtöl: Myrcen ist meist der größte Einzelanteil. Ein hohes Gesamtöl bei gleichzeitig hohem Myrcen-Anteil deutet auf ein ausgeprägt frisches, grasiges Aromaprofil hin.",
"Linalool: Während Myrcen für 'rohe' Hopfenaromen steht, ist Linalool für feinere florale und zitrische Noten verantwortlich. Beide ergänzen sich im Dry Hop.",
"Humulen: Im Gegensatz zu Myrcen ist Humulen deutlich weniger flüchtig und bleibt auch bei Whirlpool-Temperaturen teilweise erhalten."
],
"verwandte": [
{
"name": "Gesamtöl",
"url": "/informationen/hopfenwissen/gesamtoel/",
"beschreibung": "Summe aller ätherischen Öle im Hopfen"
},
{
"name": "Linalool",
"url": "/informationen/hopfenwissen/linalool/",
"beschreibung": "Florale, zitrische Ölkomponente"
},
{
"name": "Humulen",
"url": "/informationen/hopfenwissen/humulen/",
"beschreibung": "Würzig-holzige, hitzebeständigere Ölkomponente"
},
{
"name": "Farnesen",
"url": "/informationen/hopfenwissen/farnesen/",
"beschreibung": "Charakteristisches Öl der Edelhopfen (Saaz-Typ)"
}
],
"beispiel_sorten": [
{
"name": "Saaz (Saazer)",
"wert": "25–40 % Myrcen"
},
{
"name": "Tettnanger",
"wert": "20–35 % Myrcen"
},
{
"name": "Cascade",
"wert": "40–60 % Myrcen"
},
{
"name": "Amarillo ®",
"wert": "40–70 % Myrcen"
},
{
"name": "Simcoe ®",
"wert": "45–65 % Myrcen"
},
{
"name": "Callista",
"wert": "ca. 53 % Myrcen"
}
],
"fun_fact": "Myrcen kommt nicht nur im Hopfen vor — es ist auch in Lorbeerblättern, Thymian, Mango und Cannabis enthalten. In der Aromatherapie wird Myrcen eine beruhigende Wirkung zugeschrieben. Im Bier trägt es zu dem charakteristischen 'frischen Hopfen'-Geruch bei, den man kennt, wenn man frische Dolden zerreibt.",
"quellen": [
{
"name": "Lermusieau, G. et al. (2001): Nonoxidative Mechanism for Development of Trans-2-Nonenal. J. Am. Soc. Brew. Chem.",
"url": "https://www.asbcnet.org"
},
{
"name": "BarthHaas – Hop Oil Composition and Aroma Impact",
"url": "https://www.barthhaas.com/en/library"
},
{
"name": "Schönberger, C. & Kostelecky, T. (2011): 125th Anniversary Review: The Role of Hops in Brewing. J. Inst. Brew.",
"url": "https://onlinelibrary.wiley.com/journal/20500416"
}
],
"wi_typ": "wissen"
}
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